Ein großartiger Rothaus RiderMan 2015

Was für eine Schnapsidee… Zeitfahren plus zwei hügelige 100 km-Etappen… Noch vor einem Jahr wusste ich doch gar nicht was Rennradfahren ist! Und dann so etwas, wo ich doch gedanklich schon in der herbstlichen Trainingspause bin! Aber die Überredungskünste des Chariteam-Chefs wirkten zuverlässig, so dass wir uns zu zweit an das Projekt Rothaus RiderMan 2015 im Schwarzwald heranwagten. Auch Martins leise Hoffnung, wegen meiner Erkältung statt in den Schwarzwald zu fahren auf der Wiesn feiern zu können, musste ich am Abend vor Start zunichte machen: Der Infekt sollte handelbar sein, wozu ist man schliesslich sein eigener bester Sportmediziner?!

Nachdem ich noch Shoppingtour-und-Autowellness-im-Euroland während der Anreise frönte, fuhr Martin eher nach dem Motto: Umziehen auf dem Parkplatz, dabei Riegel zwischen die Kiemen schieben und 10 min vor dem TT-Start aufs Velo schwingen ist völlig ausreichend um die Herzfrequenz und den Adrenalinpegel auf Betriebstemperatur zu bringen. Beide Rechnungen gingen auf! Wir kamen jeweils gut und zufrieden über die Zeitfahrstrecke. Mein primäres Ziel lag darin, mit meinem geliehenen Hightech-Velo (Pascal, tausend Dank, auch für das Vertrauen mir Deinen Edelrenner zu leihen!) nicht anfängertrottelmässig zu stürzen – auch dieses Ziel konnte ich erreichen. Und auch wenn der Sprecher immer ChariTYteam sagte, erwähnte er doch den Team-Namen häufiger und wusste auf den Hintergrund aufmerksam zu machen – super! Das Abendprogramm fiel etwas verkürzt aus, ich versuchte noch meine Erkältung in den Griff zu bekommen und volle Arbeitswochen steckten in den Knochen. Auf der Samstagsrunde – erneut bei besten Witterungsbedingungen – stellte sich der Gründer vom Chariteam München spontan meinen Radfahrbemühungen zur Verfügung.Ich genoss den Windschatten, musste teilweise Mitfahrer davon überzeugen, dass Martin MEIN Windschattenmacher ist, und wir kamen zügig über die Strecke. Nur fürs Protokoll: Ich habe meine Getränke und mein Essen selbst getragen… Andere Mädels hatten teils mehrere Begleiter und im wahrsten Sinne des Wortes Wasserträger abgestellt… und waren dann doch nicht schneller als wir… Hehe 😉 Auch wenn ich zwischendurch ein schlechtes Gewissen bekam, dass ich bergan meinen Edelhelfer ziemlich triezte und wenig Entspannung gönnte, und er auch in einem hechelnden Nebensatz erwähnte, dass die Begleitung anderer Radfahrer „entspannter“ gewesen sei weil er bergauf Erholung bekommen habe… Nun denn, es machte sich bezahlt, nach 110 km und 1800 Höhenmeter konnten wir die vor der Etappe gepostete Kampfansage bei Facebook (Gott sei Dank!) erfüllen – der Top 10-Platz war verteidigt! Nun war Sauna angesagt, ach nee, doch nicht, oh, dann doch wieder, jedenfalls schauten wir uns nach einer kurzen Regenerationszeit in der Horizontalen staunend ob der hohen Geschwindigkeiten von anderen Freizeitsportlern die Siegerehrungen an und testeten erneut die Bad Dürrheimer Küche (es wäre keinen kulinarischen Ausflug wert, wenn man nicht sowieso in dem Kuhdorf – sorry – Tippfehler – Kurdorf gewesen wäre).

Sonntag startete ich im Mädels-Block B, Martin im Startblock C. Zum Glück heile um einen heftigen Sturz einiger Velotierer 5 km nach dem Start herumzirkeln könnend, hatte ich auf dem ersten Streckendrittel Pech und war auf den ebenen Strecken zu oft alleine im vollen Wind unterwegs. Die Sonne schien zwar herrlich, aber der Wind war mächtig, und wie es immer so ist, zu 99% der Zeit kommt der Wind von vorne, und bei solchen Gegebenheiten bin ich dann doch ein kleines schwaches Mädchen. So konnte Martin auf mich auffahren und wir fuhren annähernd parallel die weitere Strecke um Bad Dürrheim ab. Die Sekunden die ich an den Anstiegen herauskitzelte, holte der Boss in der Ebene „locker“ wieder ein. Ca. 15 km vor dem Ziel konnte ich mich mit einigen Schweizer Jungs und einem deutschen Mädel dann doch von der grösseren Gruppe absetzen und wir erreichten entspannt abwechselnd im Wind fahrend zügig das Ziel. Geschafft!
Meine Quintessenz: Der RiderMan ist eine grossartig organisierte Veranstaltung die einen weiteren Besuch im kommenden Jahr definitiv wert sein wird, auch wenn die Mädels-Siegertrophäen (Eierlikör) nicht wirklich attraktiv sind. Und über die Grenze nach Hause würde ich sie auch nicht bekommen… Triathleten können tatsächlich nicht Radfahren, jedenfalls die Dame mit dem Tanga und der durchsichtigen Hose, die immer versuchte in meinem Windschattenplatz zu fahren und mich bei jeder Kurve und Abfahrt gnadenlos zum Bremsen zwang weil sie eine seltsame Ideallinie wählte. Ein Hotel, dass 300 Meter vom Start entfernt liegt, ist ideal auch bei zeitlich spontanerer Anfahrt der Startlinie. Freitag war Nervosität, Samstag Spass, Sonntag Arbeit. Bis zum nächsten Jahr, Bad Dürrheim! Das nächste Rennen darfst Du aussuchen, Martin, und meinetwegen auch ohne Hügel damit Du auch ein bisschen Spass hast 🙂

Die Fakten für die Statistiker:
1. Etappe TT 16 km, 200 HM, Martin 76. AK, Julia 4. AK
2. Etappe 109 km, 1786 HM, Martin 91. AK, Julia 7. AK
3. Etappe 95 km, 1408 HM, Martin 120. AK, Julia 12. AK
Gesamttour: Martin 84. AK (306./556 Männer), Julia 7. AK (16./65 Damen).

Veröffentlicht von Chariteam München

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