Chariteam goes Amadé
Radstadt, 24. Mai 2009
Florian Nimz und Sabine Arnold
Am vergangenen Wochenende war es so weit: eine Handvoll (naja, das ist stark übertrieben, wir waren nur zwei) Chariteamler machen sich auf den Weg zu beweisen, dass wir auch die Alpen und nicht nur das Flachland und die Mittelgebirge bezwingen können.
Es herrschen beste Wetterbedingungen, als wir am Samstag vor dem Renntag unser Quartier in Altenmarkt, einige Kilometer von Radstadt entfernt, beziehen. Es ist warm und sonnig und wir beschließen, einen Fußmarsch nach Radstadt zu unternehmen, um die Startunterlagen abzuholen, was schnell erledigt ist. In einem Dorfgasthof lösen wir dann noch unseren Pasta-Gutschein ein (über die Pasta-Qualität und die Preiskalkulation bei den Getränken könnte man streiten) und machen uns im Anschluss gut gesättigt wieder auf den Weg zu unserem Quartier.
Wir bereiten die Räder vor und legen alles Notwendige für das Rennen bereit. Der letzte Wettercheck sagt Sonne und Temperaturen bis 29° C voraus, also kurze Hose und Trikot mit Armlingen, für die Abfahrt eine Weste, reichlich Essen und Trinken, das sollte ausreichen. Der Blick aus dem Fenster bestätigt das: es ist sternenklar. Das Rennen kann kommen.
Sonntag früh um 6:00 Uhr schrillt der Wecker. Mehr oder weniger ausgeschlafen (die eine mehr, der andere weniger) quälen wir uns aus den Betten, um einen entsetzten Blick nach draußen zu werfen. Was ist das denn? Grau-schwarze Wolken am Himmel, von der Sonne nichts zu sehen. Dann beginnt es auch noch zu regnen. Und jetzt? Regenklamotten oder gehen wir aufs Ganze, denken positiv und bleiben bei der Kleiderauswahl vom Vorabend? Wir entscheiden uns für letzteres. Zum Glück bleibt es bei dem einen Schauer. Als wir uns auf den Weg zum Start machen, ist die Straße zwar nass, aber von oben kommt so gut wie nichts mehr.
Wir suchen unsere Startblöcke, reihen uns brav in die Warteschlange ein und warten auf den Startschuss, der pünktlich um 7:40 Uhr mit einem lauten Krachen fällt. Die Karawane setzt sich langsam, fast gemütlich in Bewegung. Flo hat Glück, er startet weiter vorne. Sabine ist weiter hinten, da wo das Gedränge dichter ist, und darf kurz nach dem ersten Kreisel, direkt beim ersten Anstieg erstmal absteigen. Das Gedränge an der ersten Engstelle wegen Baustelle ist so groß, dass an Fahren nicht zu denken ist. Wer sein Rad liebt, der schiebt. Nach einigen gemeinsamen Metern unfreiwilligen Fußwegs geht’s endlich wieder auf den Sattel und die ersten 200 Höhenmeter sind schnell gemacht. Schon geht es rasant ins Tal. Aber die Freude über die Geschwindigkeit währt nicht lange. Es dauert nur kurz, dann kommt ein richtiger Anstieg – die Kilometer bis hinauf nach Ramsau ziehen sich gewaltig aber zum Glück halten sich die Steigungen halbwegs im Rahmen und sind irgendwann – nach einer gefühlten Ewigkeit – überwunden. Die Tachoanzeige wird endlich wieder zweistellig. Jetzt kommt es drauf an, die richtige Gruppe zu finden und Tempo zu machen.
Kurz nach der ersten Labestation, die wir natürlich rechts liegen lassen, heißt es aufpassen. Es soll schon Leute gegeben haben, die an der Streckenteilung geradeaus gefahren sind und gezwungenermaßen die kürzere Strecke fahren mussten…. Für Sabine ist hier schon die Hälfte der Strecke geschafft, sie darf geradeaus fahren (Flo hat noch ein bisschen was vor sich und biegt rechts ab). Das sitzt sie doch auf einer Po-Backe ab. Denkste. Kaum ist die zweite Labestation wieder rechts liegen gelassen, geht‘s schon wieder nach oben, die Tachoanzeige wird einstellig. Und das nimmt kein Ende. Die letzten 25 km ziehen sich wie Kaugummi. Keine geeignete Gruppe weit und breit und immer wieder so blöde kleine Anstiege, die sich auch nicht einfach nur wegdrücken lassen. Noch dazu Gegenwind, gegen den einen niemand schützt. Will das denn kein Ende nehmen? Ich kann nicht mehr, ich will nicht mehr. Endlich ein Ortsschild: „Altenmarkt“. Von hier sind wir heute früh aufgebrochen. Da erinnere ich mich auf ein Schild, auf dem Stand „Radstadt 3 km“ oder so was ähnliches. Die Strecke führt über die Bundesstraße, es rollt nochmal etwas schneller. Jetzt noch rechts und Radstadt ist erreicht. Roberto ist schon lang im Ziel und schreit vom Straßenrand aus „FORZA“ und ups – da ist ja eine Steigung und ich bin noch auf dem großen Blatt! – es kracht und knackt, das kleine Blatt ist auch nicht ganz das richtige. Was soll’s, noch 500 m, 100 m, JUHU ich bin im Ziel. Nach 3:35.39,6 passiere ich die Linie, mehr als glücklich, total platt mit halbvollen Trinkflaschen und hungrig – ich muss mehr essen, gerade mal ein Gel und ein Drittel Riegel sind deutlich zu wenig! Der einzige Gedanke: Berge tun weh, aber sie machen unbeschreiblichen Spass! Wann kann ich wieder starten? Ich will in die Berge!!! Sofort!!! Die Frage „Warum tust Du Dir das an?“ ist ganz einfach beantwortet: „Weil’s so schön ist!“
Knappe 1 ½ Stunden später ist auch Flo im Ziel. Er hat sein Ziel erreicht: Ein Platz unter den ersten 100 ist geschafft. Genauer: 93. in der Altersklasse und im Ziel mit 5:03.56,2, deutlich schneller als letztes Jahr. Es ist geschafft, wir sind beide heil im Ziel!!!
Jetzt erstmal duschen und dann nix wie heim! Ein Zwischenstop am Irschenberg ist unvermeidlich („Flo, ich hab Hunger!!!!“) und zu Hause geht’s dann erstmal auf die Couch – und bloß nicht mehr bewegen!. Aber eines ist sicher: Berge wir kommen. Das war nicht das letzte Rennen in den Bergen, auch wenn`s für Sabine das erste war.
Und noch sicherer: Kommenden Montag sind wir beide in Leipzig am Start. Ob Sabine aber den von Stefan vorgeschlagenen Trainingsplan einhalten wird, der satte fünf Trainingseinheiten vorsieht, ist mehr als fraglich… Der Bericht wird folgen…
Es bleibt zu bemerken: so weh die Berge auch tun, sie sind ein einmaliges Erlebnis und jede Minute Qual wert!!!
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