Berchtesgadener Land Radmarathon 2009
Berchtesgaden, 21.06.2009
Florian Nimz
Das zweite Rennen des Chiba-Alpencup steht heute auf dem Programm. Nachdem die Fahrt nach Bad Reichenhall nur ca. 1 Stunde dauert, entschließen wir uns erst am Morgen anzureisen und die Nacht lieber noch im vertrauten Bett zu verbringen. Das bedeutet allerdings schon um 5:00 Uhr loszufahren und entsprechend früh aufzustehen. Das Wetter macht leider keinen allzu vertrauenserweckenden Eindruck und für Caro, die noch ziemlich erkältet ist und mit Antibiotikum behandelt wird, wird ziemlich schnell klar, dass ein Start für sie nicht in Frage kommt. Meine Erkältung ist mittlerweile fast abgeklungen, an Training war seit fast 2 Wochen allerdings nicht zu denken. Ich werde es trotzdem riskieren, da das Rennen wichtig für die Gesamtwertung des Cups ist.
Die Bekleidungsfrage lässt sich nicht ganz so leicht klären und ich entscheide mich unter dem Druck des nahenden Starts zu einem langärmligen Softshell-Trikot, kurzer Hose, Spykern und dünnen Überschuhen. Die Regenjacke fährt in der Trikottasche sicherheitshalber mit.
Nach dem Start um 7:30 Uhr geht es gleich leicht bergauf und führt uns Richtung Wachterl. Der erste kleine Gipfel der heute zu bezwingen ist. Es läuft ganz ordentlich und macht Hoffnung auf ein gutes Rennen. Nach einer längeren Abfahrt erreichen wir den Fuß des Rossfelds. Der für heute längste Anstieg hält fast 1000 Höhenmeter für uns bereit. Die wunderschöne Landschaft entschädigt uns für die Strapazen und ich kann mich in einer der vorderen Gruppen behaupten.
Danach wartet das Schwarzeck, ein stellenweise ziemlich steiler Berg, auf die Rennfahrer. Hier merke ich zum ersten Mal, dass mir die Erkältung noch ganz schön in den Knochen steckt, so dass ich den Anschluss an meine Gruppe verliere. Sehr ärgerlich, denn nach der Passhöhe geht es, abgesehen von ein paar kleineren Hügeln, ungefähr 100 km fast eben Richtung Ziel und da ist man ohne eine gute Gruppe chancenlos. Ab hier sind die Strassen nass und es ist nicht mehr schön zu fahren. Es finden sich dann zum Glück doch noch ein paar Leute für eine Gruppe. Jeder möchte heute vorne fahren, damit er nicht die Wasser-Sand-Dusche des Vordermanns abbekommt! Ekelhaft!
Nach einer flotten Fahrt tut sich vor uns ein kleiner Hügel namens Högl auf. Niemand macht Anstalten das Tempo zu reduzieren, so dass ich zum ersten Mal in einem Rennen an meine körperliche Grenze stoße. Ich kann plötzlich nicht mal mehr 5 km/h treten und muss vom Rad! Nach ca. 2 Minuten kehren allmählich die Kräfte wieder zurück, aber die Gruppe ist natürlich weg. Zum Glück kommen ein paar Nachzügler, die mich mitnehmen und in deren Windschatten ich mich wieder etwas erholen kann.
An der nächsten Verpflegungsstation halten alle an und tanken nach. Dummerweise dauert das Flaschenauffüllen bei mir ungefähr 3 Sekunden länger als beim Rest. Ich sehe die Gruppe noch vor mir und gebe richtig Gas, aber es reicht nicht! Sie enteilen mir Meter um Meter! Sehr bitter! Langsam nervt´s, denn genau das gleiche ist mir beim Amadé auch passiert! Also wieder Alleinfahrt und die Psyche sagt: Wieso tust du dir das schon wieder an??? Der Frust ist noch nicht überwunden, als 3 gütige Retter nahen und mich einsammeln! Gemeinsam erreichen wir meine frühere Gruppe und legen die letzten 60 Kilometer bis ins Ziel zurück. Jetzt kann nichts mehr anbrennen! 201 Kilometer und 3840 Höhenmeter später bleibt im Ziel die Uhr bei 6:31:17,9 stehen. D.h. gesamt 75. von knapp 400 Langstrecklern. Ich bin voll und ganz zufrieden! Klar, ein paar Minuten wären bestimmt noch drin gewesen…
Meine 3 Helfer und ich beglückwünschen uns zu dem guten Ergebnis und der tollen Aufholjagd! Das war echte Teamarbeit! Caro ist froh, dass ich endlich im Ziel bin und die Warterei ein Ende hat. Kein Wunder bei dieser ungemütlichen Witterung! Wenigstens hat sie bei einer Tombola eine warme Gore-Tex-Skijacke gewonnen. Kurz nach Zielankunft fängt es heftig an zu regnen und wir treten schnellstmöglich den Rückweg an. Jetzt heißt es vernünftig regenerieren und sich auf die nächsten harten Rennen in den Dolomiten und der Schweiz vorzubereiten. Der Blick auf die gute Platzierung in der Cup-Gesamtwertung motiviert dann trotz der Strapazen tatsächlich wieder dazu!
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