Eschborn lässt die Radler los
Frankfurt, 01.05.2009
Tina Maluche
7:50 Uhr: Unter einer dicken Nebelglocke ist an diesem 1. Mai kein Mucks in der Frankfurter Innenstadt zu hören. Die Straßen liegen wie ausgestorben da. Die nicht gerade wohligen 10 Grad laden auf den ersten Blick nicht unbedingt zum Radfahren ein. Was aber das tapfere Team der Jedermänner – und dieses Mal - auch die stolze Anzahl von 4 „Jederfrauen“ aus München nicht davon abhielt sich vom Teamhotel an der Frankfurter Messe auf den Weg zum etwas entlegenen Startpunkt des „Eschborn-Frankfurt City Loops“ in Eschborn zu machen. So heißt übrigens der Nachfolger des Radklassikers „Rund um den Henningerturm“.
Nachdem ein Großteil des Teams bereits die ersten beiden Rennen der Saison erfolgreich absolviert hatte, war es mein Renn-Debüt. Dementsprechend begann mein Tag nach einer unruhigen Nacht auch schon um 5:00 Uhr, denn vor lauter Aufregung war an Schlaf nicht mehr zu denken. Mit einem stärkenden Frühstück, dem Überstreifen der Radkleidung und den restlichen Vorbereitungen schaffte ich es kurzzeitig meinen Puls und mein Adrenalin-Spiegel wieder auf Normalniveau zu bringen.
Vom Teamhotel (vielen Dank an IBIS für die Sonderkonditionen) ging es dann mit dem Rad zum Start, was Dank eines ortskundigen Frankfurter Rennradlers, der ebenfalls zum Starpunkt unterwegs war, auch schnell und ohne Odyssee durch die unbekannten Eschborner Straßen absolvierte wurde. Damit war die erste Hürde genommen und einem erfolgreichen Start stand nun nichts mehr im Weg.
Mir als Renn-Neuling bot sich ein faszinierendes Bild: gut 3.500 Rennradler drängten zur Startaufstellung auf einem riesigen Parkplatz vor einem Möbelhaus und alle Radler sortierten sich in die ihnen zugewiesenen Startblöcke von A-G ein, wobei A die ganz Schnellen unter den Jedermänner und –frauen waren. Überall waren die letzten Vorbereitungen zu sehen: Sitzt das Trikot? Ist die Gangschaltung in Ordnung? Genug Luft auf den Reifen?
Auch wir ordneten uns mit unserem riesigen 15 Mann starken Team in die Startaufstellung ein und nun hieß es warten auf den Startschuss. Der Puls stieg wieder bedrohlich an und dann war es endlich soweit: um kurz nach neun setzte sich die gesamte Drahtesel-Lawine in Bewegung. Unlogisch erschien mir das gleichzeitige Starten aller Startblöcke, sorgte es doch gleich zu Beginn der Ausfahrt für einen riesigen Stau. Mein Herz klopfte noch etwas stärker: werde ich das hier jemals sturzfrei überstehen? Aber spätestens auf der 2-spurigen gesperrten Strasse, auf welche diese nicht enden wollende Radgruppe hinaus zog, hatten alle ausreichend Platz zum Fahren und das Feld zog sich schnell auseinander.
In einem irren Tempo ging es los und nun hieß es eine geeignete Gruppe zu finden, was mir als Renndebütant nicht so richtig gelingen wollte. Entweder zu schnell, zu langsam – so richtig wollte es nicht klappen mit dem hochgelobten Gruppenfahren . So hangelte ich mich von Gruppe zu Gruppe oder fuhr teilweise allein, was aber meinem Spaß an dem Rennen keinen Abbruch tat. Also erst mal in Stadt, durch die Hochhausschluchten von Frankfurt und dann wieder raus auf`s Land Richtung Riedberg und Eschborn. Insgesamt mussten 2 Runden absolviert werden. Auf der ersten Runde war ich noch gut dabei- wie auch die Zwischenzeit in der Ergebnisliste zeigte. Auf der 2. Runde habe ich indes ordentlich Lehrgeld bezahlt: ich musste bei einer Gruppe abreißen lassen und war plötzlich allein auf weiter Flur. Durch ganz Frankfurt kurbelte ich fast mutterseelenallein bis eine neue Gruppe von hinten angerollt kam- aber da war ich schon ganz schön platt und konnte kaum noch dran bleiben, was auch an meiner mangelnden Flüssigkeit- und Energiezufuhr gelegen haben mag. Aber nach viel Spaß, 74 km und 2:16 Stunden und nun strahlendem Sonnenschein erreichte ich das Ziel, wo bereits ein Großteil des Teams am vereinbarten Treffpunkt die ersten Eindrücke und Erfahrungen austauschten.
Fazit: Im Ziel angekommen und nach den ersten beiden Bananen und dem Leeren meiner beiden noch fast vollen Trinkflaschen war ich froh, dass ich alles gut überstanden hatte und sturzfrei über die Runde gekommen bin (unterwegs hatte ich doch den einen oder anderen schlimmen Sturz gesehen). Für das nächste Rennen habe ich folgende Erkenntnisse mitgenommen:
1. Trinken, trinken, trinken, ach ja und essen
2. Mehr Gruppe fahren
3. Das Tempo besser einteilen
4. Last, but not least: „Quäl dich, du Sau”
Der Rest des Teams scheint diese Erkenntnisse bereits erfolgreich verinnerlicht zu haben, denn wir konnten 2 Platzierungen der Damen feiern, die in ihrer Alterswertung jeweils den 1. und 2. Platz belegten. Und auch die männlichen Teamkollegen, die auf die 103 km-Strecke gegangen sind, konnten die eine oder andere persönlich Bestzeit verzeichnen. Ob da auch die neuartigen Bike Racing Energizer- Strümpfe oder die schicken kompressierenden Wadenwärmer „Spyker“ von X-Socks gemäß dem Motto: „Turn sweat into energy“ ihr übriges dazu getan haben? Ich werde es beim nächsten Rennen testen, denn diese tolle Erfahrung soll nicht die letzte dieser Art gewesen sein. Vielen Dank an die Organisatoren des Teams: hier wurde etwas ganz Großartiges auf die Beine gestellt mit einem tollen Teamspritit.
Der Dank gilt auch HERTZ, die unserem Team mit einem Mercedes Vito die An- und Abreise nach Frankfurt ermöglicht haben sowie dem IBIS Hotel Frankfurt City Messe, in dem wir auch nach dem Rennen die Zimmer noch zum Duschen nutzen durften.



