Glocknerkönig 2009
Bruck, 07.06.2009
Florian Nimz
Wie jedes Jahr steht am ersten Sonntag im Juni der Glocknerkönig auf dem Programm. Die Wettervorhersagen sind wie jedes Jahr sehr unterschiedlich. Sie reichen von Sonnenschein bis zu Dauerregen. Schneefall scheint aber ausgeschlossen zu sein.
In den letzten Jahren war alles geboten von verkürzter Strecke wegen Schnee und Eis bis zu sommerlichen Temperaturen auf 2428 Metern. Dementsprechend fällt auch das eingepackte Ausrüstungspaket etwas umfangreicher aus als sonst. Als wir am Samstagabend in Bruck ankommen und unsere Startunterlagen abholen und ich zufällig Chris Cranz treffe, sieht es auch noch ganz gut aus. Während wir jedoch im Gasthaus Jakobhansl sitzen und uns am hervorragenden Nudelbuffett stärken, fängt es heftig an zu schütten. Aber nur kurz und wir fahren zwei Teller Nudeln und einen Apfelstrudel später, gut vorbereitet nach Altenmarkt in unser Quartier.
Die Nacht ist kurz, denn um 4 Uhr klingelt schon der Wecker, weil wir ja noch eine knappe Stunde Fahrt vor uns haben. Die Wolkendecke ist zwar schwarz, scheint aber nicht sehr dick zu sein, was Hoffnung auf ein trockenes Rennen macht. In Bruck sieht´s aber anders aus und es regnet leicht bei kühlen 7 Grad. Der Streckensprecher kündigt allerdings Sonne im Ziel an. Damit fällt auch die Entscheidung bei der Bekleidungswahl. Kurze Hose, X-Bionic Spyker und Socken, dünne Überschuhe, X-Bionic Unterhemd, kurzes Trikot, Ärmlinge, kurze Handschuhe und anfangs eine dünne Regenjacke.
Ich starte wieder aus dem ersten Block. Alle schauen beunruhigt zum Himmel, denn von Sonne ist nichts zu sehen und der Regen wird immer stärker. Um kurz nach sieben dann der Start. Die Meute hetzt nach einer engen Unterführung gleich richtig los. Auf den ersten relativ flachen Kilometern heißt es jetzt im Windschatten möglichst flott und kraftsparend voranzukommen. Dann kommen schon die ersten richtigen Steigungen und das Feld der 2600 Starter zieht sich weit auseinander.
Bis zu Mautstelle ist mein Abstand zur Spitzengruppe noch recht gering und ich liege ungefähr in der Zeit vom Vorjahr. Jetzt heißt es erstmal die Regenjacke ausziehen, denn ab hier wird es bis ins Ziel richtig steil und zumindest von innen her ziemlich warm, obwohl die Temperatur immer weiter sinkt und ich schon völlig durchnässt bin. Ab sofort fährt jeder ein einsames Rennen, d.h. das richtige Tempo finden, rund treten und bloß nicht von anderen hetzen lassen, denn das kann an so einem Berg, der auf den letzten 13,2 km durchschnittlich 9,7% hat und kein Ende zu nehmen scheint, tödlich sein. Das gelingt mir trotz Muskelkater von einer MTB-Tour auch ganz gut und ich kämpfe mich Meter für Meter nach oben.
Langsam merke ich, wie die Finger und Zehen taub werden. Der Tacho zeigt nur noch 3 Grad an und es regnet immer noch. Noch! Plötzlich fängt es nämlich auch noch an zu schneien! Zum Glück hört es recht bald wieder auf. Die Mitstreiter um mich herum fluchen bereits. Die Kräfte schwinden auch langsam aber sicher. Gut das die relativ flach gehaltenen Serpentinen etwas Erholung bringen. Noch ca. 2 Kilometer und dann gibt der Berg auch den Blick auf das Ziel am Fuschertörl frei. Die letzte Rampe sieht von unten einfach furchterregend steil aus! Sie ist bald erreicht und der Blick auf die Zeit signalisiert fast die gleiche Zeit wie letztes Jahr. Die Zuschauer feuern mich noch mal richtig an und ich „fliege“ mit ca. 12 km/h förmlich durch´s Ziel. Wie jedes Jahr ein erhebendes Gefühl! „Er“ ist mal wieder bezwungen, der Kampf Mensch gegen Berg gewonnen!
Hände und Füsse sind mittlerweile kaum mehr zu spüren. Jetzt also schnell den von den Organisatoren in den Zielbereich transportierten Kleidersack schnappen, die nassen Sachen ausziehen und alles Vorhandene anziehen und die Abfahrt antreten. Ein paar hundert Meter unterhalb des Ziels gibt es allerdings erst noch den obligatorischen Kaiserschmarrn, der heuer aber nicht wirklich glücklich macht.
Die Abfahrt macht keinen Spaß, denn es ist Vorsicht geboten. Viele Fahrer kommen noch entgegen und es ist nass und schmierig. Der Sand schleift zwischen Bremsen und Felgen und es tut schon vom Zuhören weh! Aber auch das nimmt ein Ende.
Jetzt wird´s noch mal spannend! Wie sehen die Ergebnisse aus? Am Rennbüro hängen schon die ersten Listen aus und es stehen ganze Scharen an Menschen davor. Es ist erfreulich für die Chariteamler! Chris ist bei den Damen in einer Zeit von 1:53.41,9 Gesamt 13. von 192 Finishern und 3. in ihrer Altersklasse! Ich war eine Minute schneller als letztes Jahr: 1:41.11,3, Gesamt 168. von 1739 Herren und in meiner Altersklasse 86.
Wir sind zufrieden! Es hat trotz der widrigen Wetterbedingungen wieder Spaß gemacht und wir kommen bestimmt wieder! Weitere bergverrückte Chariteamler dürfen sich uns gerne anschliessen, denn auch hier gibt es eine Teamwertung... Wie zum Trotz kommt pünktlich zur Heimfahrt die Sonne raus…
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