BERLIN! BERLIN! Wir fahren nach BERLIN!

Brelin, 21.06.2009
Tina Adunka

Endlich ist es soweit, dass heißersehnte Rennwochenende in Berlin steht unmittelbar bevor. Es ist Freitagnachmittag und nach einem letzten Wettercheck, der uns perfekte Wetterbedingungen vorhersagt, packen wir unsere Klamotten und Räder ins Auto und ab auf die Autobahn. Tja, nur mit schnell auf der A9 durchbrausen war leider nichts – kaum waren wir auch nur in Sichtweite der Autobahn standen wir auch schon im Stau. Nach dreistündiger Nervenstrapaze hatten wir doch tatsächlich schon Nürnberg passiert – ein Blick auf die Uhr verriet uns, dass es wohl spät, sehr spät werden würde bis wir endlich in der Hauptstadt ankommen würden. Also, Taktikbesprechung. Der Plan, Essen. Nächster Stopp: Burger King, ein wahres Festmahl für jeden Sportler. Nachdem unsere Mägen beruhigt waren setzten wir uns wieder ins Auto und weiter ging die Fahrt. Nach unendlichen Kilometern und Stunden später kamen wir um 01.00 Uhr am Hotel an. Jetzt hieß es nur noch ab aufs Zimmer und in die Koje, denn voller Euphorie hatten wir uns mit Martin und Nicole um 08.00 Uhr zum Frühstück verabredet.

Am nächsten Morgen, der Blick aus dem Fenster zeigte Sonne und Wolken, stärkten wir uns erst einmal bei einem schönen Frühstück für den kommenden Tag. Wir hatten uns für diesen Tag Kultur aufs Programm gesetzt. Diesmal hatte ich mich darum gekümmert und zum einen das Stasi-Gefängnis Hohenschönhausen und die Helmut-Newton-Ausstellung „SUMO“ vorgeschlagen. Für Ersteres konnte ich nur noch meinen Mann Nick begeistern und wir haben es auch nicht bereut. Es war ein sehr beeindruckendes Erlebnis. Für die Ausstellung hatten wir uns dann wieder mit Martin, Nicole S., Ralf, Nicole B. und Mike verabredet und gemeinsam haben wir dann die vielen Akt-Fotographien von Newton auf uns wirken lassen. Unsere einhelliges Urteil: sehr empfehlenswert.

Anschließend holten wir mit gefühlten 10.000 anderen Radsportlern unsere Startunterlagen. Schon hier war zu spüren, dass das kein Pappenstiel wird mit 15.000 Menschen an dem gleichen Event teilzunehmen. Aber wir wollten es auch nicht anders und freuten uns wie Schnitzel darauf. Doch leider erhielt diese Freude zu diesem Zeitpunkt den ersten großen Dämpfer, als wir erfuhren, dass wir alle aus dem allerletzten Startblock starten würden. Der Ärger war groß und wir versuchten alles dies noch zu ändern – doch es war nichts mehr zu machen. Was tun, sprach Zeus. Wir entschieden uns den Ärger runterzuschlucken und uns die Freude nicht weiter vermiesen zulassen. Außerdem vertrauten wir auf unsere Kondition und fahrerische Leistung, um das Beste aus der Situation am morgigen Tag zu machen. Als letzter Programmpunkt stand noch Carboloading an. Also, ab ins Hotel wo wir die letzten Chariteamler (Clemens, Denis, Jürgen und Stefan) die mit dem Teambus kamen trafen, Übergabe der Startunterlagen und los in den von Jens reservierten Italiener am Hackeschen Markt. Dort gab es ein wunderbares Essen und unsere Jungs wurden einmal mehr „Opfer“ eines Jungesellinnen-Abschieds. Nachdem der Tag für alle sehr lang gewesen war, entscheiden wir uns früh ins Bett zu gehen –nicht jedoch ohne die legendären Overknee-Trägerinnen auf der Oranienburger Straße ausgiebig zu beobachten, gell Jungs ;-)!

In unserem super zentral gelegenen IBIS Hotel – Danke, Martin – angekommen, hieß es nur noch die Abfahrtszeiten zu klären die für die 120 km-Fahrer für 08.00 Uhr beschlossen wurde, um diesmal zumindest die Ersten im Startblock zu sein. Unsere Sprinter Nicole B., Ralf und Mike mussten schon eine Stunde früher ran. Martin verteilte noch für jeden Ultra Sports Getränkepulver und Riegel. Als allerletzte Tat wurde noch das Rad mit Startnummer und allem Zip und Zap präpariert, um schließlich und endlich komatös ins Bett zu fallen.
Gefühlte 5 Minuten später riss mich der Wecker um 06.20 Uhr mit einem ohrenbetäubenden Gebrüll mit dem Song „Who led the dogs out?“ aus dem Schlaf, so dass ich fast senkrecht mit Bett stand. Nun gut, wach war ich jetzt wohl. Noch schnell unter die Dusche gehüpft, um auch den letzten Schlaf aus den Gliedern zu waschen und ab zum Frühstücksbuffett. Ich hoffte inständig, dass mich diesmal keine 3 Reisebusse mit Touristen erwarteten, wie es in Frankfurt der Fall gewesen war. Das Glück schien mir hold und wir konnten in aller Ruhe unser tolles Frühstück genießen. Ein Blick aus dem Fenster ließ Zweifel aufkommen, ob wir alle trocken durch den Tag kommen würden, weshalb Martin die am Tag zuvor besorgten Mülltüten(!) verteilte, um zumindest im Startbereich trocken bleiben zu können.

Mehr oder weniger pünktlich versammelte sich die gesamte Mannschaft um 08.00 Uhr mit unseren Rennern vor dem Hotel. Hier gesellten sich auch Florian, Katja und Carsten zu uns, die die Nacht bei Familie/Freunden verbracht hatten. Noch schnell ein paar Fotos gemacht – Danke, Anja – und los ging‘s in Richtung Start. Gerade zu diesem Zeitpunkt starteten Nicole B., Ralf und Mike auf der 60 km-Runde, um in 1:34 h bzw. 1:40 h im Ziel einzulaufen. Herzlichen Glückwunsch ihr Drei. Habt ihr super gemacht. Nicole ist sogar mal wieder in ihrer Altersklasse aufs Podest gefahren – Gratulation!!!
Für uns hieß es, im Startblock angekommen, der Dinge zu harren bis wir endlich um 09.57 Uhr auf die Reise geschickt wurden. Der Start befand sich unmittelbar vor dem Brandenburger Tor, auf der Prachtmeile Berlins „Unter den Linden“. Es herrschte eine anregende Stimmung unter den versammelten Radsportlern und jeder fieberte dem Startschuss entgegen. Die Devise bis dahin hieß nun, sich warmzuhalten, denn es war nicht gerade schönster Sonnenschein, aber es regnete nicht und das war uns allen das Wichtigste. Um nicht vollständig auszukühlen hatte ein jeder seine Strategie, der eine lief alle 5 Minuten auf die Toilette, der andere aß nochmal was und wieder andere tanzten.

Doch dann war es endlich soweit. Nach letzten Anweisungen des Starters, den Inlineskatern bis nach dem Brandenburger Tor hinterher zu fahren, ging es los. Ein unbeschreibliches Gefühl durch dieses geschichtsträchtige Tor fahren zu dürfen. Kaum waren die Inliner weg gab‘s kein Halten mehr. Es wurde in die Pedale getreten was die Wadeln hergaben und ich dachte mir nur, wie soll ich das 120 km durchhalten. Die ersten 20 km war erst mal ein Sortieren, um eine gute Gruppe zu erwischen, um nicht bei den Tourenfahrern zu landen. Alles lief bis dahin ganz gut und wir überholten schon auf dem Ku’damm die ersten Fahrer aus dem Startblock vor uns. Ich versuchte mich an das Hinterrad von Katja zu klammern.

Dann kam der erste „Anstieg“ und jeder versuchte eine gute Ausgangsposition zu erwischen. Doch plötzlich gab es einen lauten Knall und Schreie „Sturz“ kamen direkt von den Fahrern neben mir. Und da sah ich dann, dass es Katja erwischt hatte. Mir fiel das Herz erst mal in die Hose und ich wollte schon aus Reflex anhalten, doch alle schrien nur „Weiterfahren!“ und das tat ich dann auch. Ich hoffte sehr, dass ihr nichts Schlimmes passiert und ihr Freund Carsten bei ihr war. Ein mulmiges Gefühl so einen Sturz direkt neben sich erleben zu müssen.

Weiter auf der Strecke ging es dann noch ein paar Kilometer durch Berlin und schließlich raus ins Grüne in den Grunewald. Irgendwann habe ich Clemens vor mir gesehen und mich an ihn drangehängt. Gemeinsam sind wir dann ein paar Kilometer gefahren bis auch er mir dann davon gebraust war. So, jetzt hieß es wieder eine Gruppe zu finden die mein Tempo fuhr. Gott sei Dank ist man ja bei so einer Masse von Startern nie allein und es dauerte nicht lange bis sich wieder eine Gruppe näherte an die mich anschließen konnte. Entlang der berühmt berüchtigten Avus-Autobahn und ab aufs Land durch süße, kleine Dörfer in denen sich die Bewohner auf ihren Gartenstühlen am Straßenrand mit Töpfen, Pfannen und allem was sich zum Krachmachen bewaffnet hatten, um uns anzufeuern. Insgesamt waren an der Strecke viele Zuschauer, was Einem einen richtigen Kick gab und noch kräftiger in die Pedale hat treten lassen.

Beide Verpflegungsstationen habe ich im wahrsten Sinne rechts liegen lassen und mich mit meinem Equipment versorgt. Irgendwann hatte ich leider meine Gruppe verloren und fuhr dann eine ganze Weile allein, oder mit Männern (!) im Windschatten, da ich keine richtige Gruppe mehr fand die das Tempo mit mir fahren wollten. Jetzt weiß ich auch wie es ist sich mal so richtig für andere abzurackern. Aber egal, nach ca. 95 km passierten wir wieder das Berliner Ortsschild, was mir wieder etwas Aufwind gab. Apropos Wind, auch an diesem Tag war er nicht unser Freund und hatte sich uns mit all seiner Kraft entgegengestellt. Doch wir trotzen allen Widrigkeiten und bewegten uns, auch wenn es mir manchmal vorkam wie im Schneckentempo, weiter in Richtung Ziel. Waren die Straßen außerhalb Berlins noch gerade so akzeptabel, so wurden sie in der Stadt wieder zu einem Desaster. Teilweise hatte ich mich nicht getraut zu meiner Trinkflasche zu greifen, um nicht in eines der vielen Schlaglöcher zu fahren, während man mal kurz den Blick von der Straße wendet.

Irgendwann rief mir jemand von der Seite zu „Noch 12 km, dann haben wir es geschafft!“. Das nahm ich dann zum Anlass die letzten Körner der Frühstückssemmel zu mobilisieren und nochmal richtig rein zutreten. Weiter ging es dann nach Tempelhof, Neukölln und Friedrichshain. Dort angekommen lief die Strecke an unserem Hotel vorbei, wo sich in heller Aufregung die beiden Nicoles, Ralf und Mike positioniert hatten, um uns anzufeuern.
So, noch fünf Kilometer. Vorbei am Alexanderplatz, rein in die Friedrichstraße, entlang der Spree am neuen Berliner Hauptbahnhof vorbei, um schließlich auf der Straße des 17. Juni dem Ziel entgegen zu fahren. Hier waren so viele Zuschauer versammelt, die sich mit ihren Rasseln und Tröten nicht zurückhielten. Mir kamen vor lauter Glücksgefühlen die Tränen in die Augen und ich ließ sie einfach laufen. So ein Gefühl ist unbeschreiblich und dringend zur Wiederholung empfohlen. Ich denke es ging nicht nur mir so, sondern allen meinen Teamkollegen. Bei der Überfahrt der Ziellinie überschlug sich der Sprecher fast, um alle Namen zu nennen die gerade eingefahren waren. Es war vollbracht. 120 km in 3:13:52 h lagen hinter mir. Wow!!!

Kaum angekommen machte ich mich auf die Suche nach meinem Team und wir fielen uns alle glücklich in die Arme. Auch Petrus war mit uns und schenkte uns perfekte Radl-Wetter-Bedingungen und Sonne im Ziel. Gott sei Dank ist Katja nicht schlimmeres passiert bis auf einen Ellenbogenprellung, so dass sie die gesamte Strecke zu Ende fahren konnte. Katja, dir gebührt mein ganz, großer Respekt. Hoffentlich hält dich das nicht davon ab weitere Rennen zu bestreiten. Das wäre sehr Schade. Insgesamt waren alle mit ihren Leistungen zufrieden und wir hatten wieder einmal einen unvergesslichen Tag erlebt. Ein traumhaftes Wochenende neigte sich dem Ende und auf der Fahrt nach Hause hatten wir alle Zeit das Erlebte noch einmal Revue passieren zu lassen. Fazit: Berlin, wir kommen wieder!!!

Vielen Dank an dieser Stelle an HERTZ für die Bereitstellung des Teambus, IBIS Hotel für die super Zimmerkonditionen, ULTRA SPORTS für die Energiedrinks, -riegel und –Gel-Chips. ALPINA sei gedankt für die Brillen und Helme, sowie X-BIONIC und X-SOCKS für die Unterhemden, Socken und Spyker.

Bildergalerie

Nach oben